Bräunst du noch oder schwimmst du schon?

Ist schon komisch. Da will man einmal dem Faschingstrubel entfliehen und sich einen Wellnessabend im Further Hallenbad gönnen, dann ist man doch tatsächlich ganz alleine hier. Nun gut, ich wollte zwar meine Ruhe und mal etwas entspannen, aber gleich so dermaßen?

Eigentlich hatte ich schon auf ein paar Frauen gehofft, mit denen man mal ins Gespräch kommen könnte.  Immerhin bin ich ja nicht jeden Tag in Furth im Wald, aber was soll man machen. Warum ich ins Furtherer und nicht ins Chamer Hallenbad bin? Das kann ich Ihnen leicht beantworten – weil ich nicht möchte, dass meine Freundinnen mitbekommen, dass ich ins Solarium gehe. Ich bin in den letzten Tagen kaum mehr auf die Straße gegangen und daher bin ich natürlich auch weiß wie die Wand. Warum ich nicht mehr rausgehe? Na, weil mir mein Schwiegervater andauernd hinterherrennt, oder besser gesagt hinterherrollt – mit seinem Rollator. Und das kann ganz schön peinlich werden. Warum das peinlich werden kann? Gegenfrage: Waren Sie schon mal bei der Fußpflege, wenn Ihr Schwiegervater neben Ihnen steht und von seinen Erfahrungen mit Fußpilz redet? Oder beim Zahnarzt, wenn er seine Zähne herausnimmt und sie Ihnen mit den Worten: Ich kanns dir ja ab und zu leihen – ist billiger, anbietet?

Eben! Na, jedenfalls habe ich ihm heute eine Schlaftablette gegeben. Bin mir nur nicht sicher, ob die Dosierung ausreicht – da bin ich derzeit noch am Herumexperimentieren – deshalb bin ich vorsichtshalber nach Furth gefahren. Außerdem ist es hier im Hallenbad auch immer recht schön – wenn auch heute extrem leer.

Bevor ich mich in die Fluten werfe, gehe ich erst mal ins Solarium. Eine Abkühlung ist danach sicher mehr von Nöten als zuvor. Ah, da ist schon eine freie Kabine. Ach, was red ich – die sind ja alle frei. So, dann schnüre ich mir mal den Gürtel meines Bademantels enger und dann rein in das gute Stück. Hoffentlich werde ich nicht zu braun, nicht, dass mich mein Mann nicht mehr wiedererkennt. Zwanzig Minuten müssten für meinen Hauttyp reichen. Ach, ist das schön – so wunderbar warm – fast wie im Urlaub. Wenn mir jetzt noch ein knackig gebräuntes Sixpack einen Cocktail reichen würde, dann wäre mein Abend perfekt.

Aber was ist das? Ist gerade jemand in meine Kabine gelatscht? Verdammt, jetzt krieg ich den Deckel nicht mehr hoch. Klemmt das Ding? So, noch einmal mit ganzer Kraft … Hau ruck!

„Ahhhhhhh! Wer sind Sie denn? Schleichen Sie sich und suchen Sie sich Ihre eigene Kabine! Wie haben Sie denn eigentlich die Türe aufgesperrt?“

„Hilfe, ein Einbrecher!“

„Was? San Sie narrisch? Ich bin doch kein Einbrecher – ich bin ein zahlender Badegast und außerdem würde das in meinem Fall Einbrecherin heißen – Sie … Sie! San Sie deppert? Hören Sie sofort auf, mit Ihrem Glasreiniger auf mich zu spritzen! Wir sind doch hier nicht im Wilden Westen!“

„Wir sind hier aber auch nicht in einem Obdachlosenheim – Sie Einbrecherin!“

„Ich bin ein Badegast, verdammt noch mal!“

“Sie? Ein Badegast? Dass ich nicht lache! Und warum sind Sie dann hier noch nach Geschäftsschluss? Des müssens mir schon noch genauer erklären!“

„Was? Ihr habts schon geschlossen? Deswegen – ich habe mir gleich gedacht, dass es hier zu leer ist! Das müssens schon entschuldigen, Frau Bademeisterin!“

„Ich bin keine Bademeisterin – Sie Meerjungfrau! Obwohl, ich korrigiere – Jungfrau dürfte ja wohl nicht mehr ganz stimmen!“

„Na hörn Sie mal … jetzt werden Sie mal nicht frech!“

„Wie soll ich Sie denn sonst nennen? Welche Frau würde sich denn sonst im Bademantel eingewickelt unters Solarium legen? Obdachlos – eindeutig!“

„Ich habe doch nur Angst vor einem Sonnenbrand. Mein Gesicht und meine Füße sind da nicht so anfällig – daher. Haben Sie noch nie was von Lichtschutzfaktor gehört? So geht das!“

„Ich glaube eher, dass Sie noch nichts von Gesichtsbräuner gehört haben, was? Egal – jetzt schauen Sie sofort, dass Sie das Haus verlassen, sonst rufe ich die Polizei! Verstanden?“

„Ist ja schon gut Frau … Frau? Ja, sagen Sie doch mal, wenn Sie nicht die Bademeisterin sind – wer sind Sie denn dann eigentlich? Vielleicht sind SIE ja die Obdachlose unter uns? Oder Sie sind gar aus einer Klinik ausgebrochen – mit solchen Leuten kenn ich mich aus, das können Sie mir glauben!“

„Waaaaas? Jetzt reichts …!“

„H I L F E! Alois … Opaaaaaa … so huiftsma doch … meine Güte, wenn man de oamoi braucht, sansned do!“


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